8. Genobarcamp: die Reise ging weiter

Bochum – Tansania – Stammbach – Hof

In meinem letzten Beitrag schrieb ich kurz und knapp über meine geistig-kulinarischen Eindrücke vom Genobarcamp in Bochum. Die leckeren Quiche zur „Henkersmahlzeit“ beim Abschluss wären neben den beiden Kollegen aus Erlangen und Hersbruck tatsächlich ein nützlicher Begleiter gewesen, denn wie sich herausstellte, dauerte die Heimreise etwas länger. Dass sie noch länger dauerte, war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst.

Abfahrt Bochum Hbf war 14.31 Uhr. Geplante Ankunftszeit in meinem Heimat-Bahnhof Stammbach: 20.57 Uhr.

Dass ein ICE ab und zu Verspätung hat, das wissen viele aus eigener Erfahrung. Die anderen lesen es mindestens einmal pro Woche in der Zeitung oder im Internet. Irgendwo zwischen Kassel und Würzburg hielt der völlig überfüllte Zug in einem Tunnel. „Unvorhergesehener Halt“ wurde mit scheinbar zugehaltener Nase durch die Lautsprecher gepresst. Das habe ich mir schon gedacht, dass im Tunnel niemand aus- oder zusteigt!

Die durchgesagten verpassten Anschlusszüge betrafen mich nicht. Blöd war nur, dass mein Zug ab Würzburg in Richtung Bamberg nicht erwähnt wurde, also auch nicht als „wartend“ durchgesagt wurde. Nach einigem Hin und Her entschied ich mich bis Nürnberg im ICE zu bleiben. Erstens ist Nürnberg näher an der Heimat, zweitens waren da auch noch die netten Kollegen Klaus und Bernd.

In Nürnberg angekommen schien wieder fast alles normal zu laufen. Gut, Bernd verabschiedete sich nicht, da er zu seinem nächsten Zug rennen musste. Mit Klaus fuhr ich nach ein paar Minuten Aufenthalt weiter in den Norden Bayerns, in Richtung Bayreuth. In Hersbruck trennten sich unsere Wege, ich reiste alleine weiter. Nette Musik im  Ohr, etwas zum Lesen am Tablet. Kurz vor Pegnitz (ca. 20 Km vor Bayreuth) kam die erschreckende Mitteilung über die Lautsprecher: Personenschaden beim vorausfahrenden Zug. Wir mussten umkehren! Wieder zurück nach Hersburck und umsteigen in Richtung Weiden. Weiden liegt im Osten Bayerns.

Ich lächelte der jungen Frau im Zug gegenüber zu und sagte zu ihr, dass es jetzt auch schon egal sei. Schließlich bin ich bereits seit Mittag aus Bochum unterwegs. Ich war noch stolz auf meine lange Zugfahrt, da erwiderte sie: „Ja stimmt. Ich freu mich schon auf zu Hause. Ich bin seit 4 Tagen aus Tansania unterwegs.“ OK, jammern wegen 7 Stunden war nun echt nicht mehr angebracht.

Bianca, so hieß sie, erzählt mir von Ihrem Volontariat in Afrika. Sie unterrichtet Schüler in Informatik. Sie hatte 90 Kinder pro Klasse, aber nur 8 PCs. Das ist krass. Meine Tochter wird im September mit nur 10 weiteren Kindern eingeschult. Wahrscheinlich haben wir in 20 PCs in der Schule!

Ich fand es jedenfalls spannend. Sie erzählte mir vom brennenden Tanklastzug, der ihre Heimreise verzögerte und wie Banking in Tansania funktioniert. Das war quasi meine persönliche Session zum Abschluss des 8. Genobarcamps.

In Tansania, so berichtete Bianca, gibt es erst seit ungefähr 10-15 Jahren so was ähnliches wie Girokonten. Der Lohn wird an die Arbeiter aber nur zur Hälfte gezahlt. Die andere Hälfte wird als Rente einbehalten und erst dann ausgezahlt, wenn der Arbeiter die Firma verlässt. Leider wird der plötzliche „Wohlstand“ sofort ausgenutzt. Meistens werden dann japanische Autos gekauft. Für die tatsächliche Rente später bleibt nichts mehr übrig.

Geld abheben funktioniert total mobil. Geld zahlt an jeder Ecke irgendein Straßenhändler aus. Mit Funktionscode *1050# (wenn ich es richtig in Erinnerung habe), transferiert man Geld von seiner eigenen Telefonkarte an die des Händlers. Der nimmt dann die Auszahlung vor.

Mich beeindruckte vor allem auch, wie meine neue Reisebegleiterin von den vielen jungen Studenten sprach. Die haben viele Ideen und könnten Tansania wahrscheinlich zu einem innovative Land gestalten, wenn nur das liebe Geld nicht fehlen. Sie erzählte mir das mit dem Beispiel eines Fotobuchs, das sie von Deutschland mitbrachte. Es gibt junge Afrikaner, die problemlos derartige Software usw. programmieren könnten, aber leider fehlt Geld, Technik und Infrastruktur für den Druck und den Vertrieb.

22.35 Uhr: Nachdem wir nun endlich in einem Zug in Richtung Bayreuth unterwegs waren vernetzten wir uns noch via Facebook. Hoffentlich bleibt der Kontakt bestehen. Denn dann könnte ich evtl.Bianca zum nächsten Genobarcamp einladen. Gastgeber wird im Herbst elaxy, ein Dienstleister in der Genossenschaftlichen Finanzgruppe, sein.

Mein Session-Beitrag: Können wir vom Banking in Tansania lernen? Bianca kann bestimmt noch mehr davon und von den unterschiedlichen Unternehmenskulturen berichten.

Ach ja, der Vollständigkeit halber möchte ich noch erwähnen, dass am Ende mein Akku fast leer (7%) war, ich von meiner Schwiegermutter abgeholt werden musste, da nun endgültig alle Anschlusszüge weg waren und ich irgendwann gegen Mitternacht ins Bett fiel!

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